26.8.2022

Darf Stucki Chrigu nicht mehr schwingen?

Bildung
Stier und Schwingerkönig: Geballte Männlichkeit am Eidgenössischen 2013 in Burgdorf.

Das Universum ist unendlich gross. Doch noch grösser ist die menschliche Dummheit. Also genau genommen grösser als unendlich. Beweise werden aktuell zu Hauf geliefert. Gut: Dumme Menschen gab es immer. Doch tragisch ist, wie viele andere Menschen, Organisationen, Firmen oder gar Staaten sich gegenseitig in Dummheit überbieten und vor allem bei jeder Dummheit mitmachen.

Dieses Wochenende findet das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Pratteln BL statt. Noch, ist man versucht zu sagen. Denn wenn die Verdummung unserer Gesellschaft weiter geht, dann war es vielleicht bald einmal das letzte ESAF. Ich schliesse es - Stand heute - nicht mehr aus, dass der amtierende Schwingerkönig Chrigu Stucki und seine Mitschwinger in Zukunft vielleicht nicht mehr an einem ESAF in heutiger Form zusammengreifen.

Ich höre den Widerspruch: "Das kann doch nicht sein?". Sind Sie so sicher? Denn das ESAF verkörpert quasi noch eine der letzten Bastionen von Schweizer Traditionen, welche noch nicht vom linken Meinungstotalitarismus verseucht wurde.

Eine unvollständige Auflistung von Eigenschaften des ESAF mögen aufzeigen, warum auch unser Nationalsport Schwingen unter Druck kommen wird:

  • Am ESAF schwingen nur Männer. Ja, es gibt zwar auch den Frauenschwingsport. Aber der findet separat mit viel weniger Beachtung statt. Das ist aus Sicht von linken Gutmenschen ganz schlimm.
  • Noch "schlimmer": Am ESAF schwingen fast nur weisse Schweizer Männer mit Schweizer Namen. Der eine oder andere Amerikaner mit Schweizer Wurzeln nimmt zwar teil, aber das macht das Fest noch lange nicht "divers".
  • Am ESAF herrscht ein traditionelles Rollenbild: Männer messen sich im Ring im Kampfsport. Die Ehrendamen warten in ihren schönen Trachten darauf, bei der Siegerehrung die neu gekürten Kranzgewinner zu küren. Aus Sicht von rot-grünen Gutmenschen ist das Sexismus pur.
  • Für sogenannt "non-binäre", "Transgender" und andere neumodische Zwischenwesen gibt es in Pratteln schlicht keine Plattform. Für die LGBT+-Ideologen ganz schlimm.
  • Am ESAF wird haufenweise Fleisch gegessen. Schwinger sind alles andere als vegan. "Stucki Chrigu" fährt als Chauffeur gar beruflich Fleisch durch die Schweiz.
  • Am ESAF wird viel Alkohol getrunken. Zwar ist niemand gewalttätig. Sackmesser werden auf den Tribünen zum Wurstschneiden gezückt und sonst für nichts. Man stelle sich das mal an einem Fussballspiel vor. Aber Alkohol gilt als ungesund.
  • Viele Besucher kommen mit dem Auto ans ESAF. Autos gelten als böse. Die paar wenigen Elektroautos haben momentan noch Sonderrechte. Die Frage ist aber wie lange?
  • Und dann stellt sich noch die Frage, ob Schwingen nicht auch ein Beispiel sogenannt "Kultureller Aneignung" sei? Denn schon im Alten Griechenland wurde an der Olympiade gerungen. Ganz schlimm also für die Gutmenschen.

Ja, wenn man es sich genau überlegt, dann ist so ein ESAF aus Sicht der rot-grünen Moralisten wirklich ein Graus. Aber droht deshalb wirklich schon bald das Ende? Vor einigen Monaten hätte ich das selber nicht geglaubt. Heute wäre ich nicht mehr so sicher. "Mohrenkopf" darf man die bekannten Süssigkeiten mit weisser Füllung schon lange nicht mehr nennen. Harmlose Musiker mit verfilzten Haaren erhalten in linken Szenenlokalen Auftrittsverbote.

Noch viel schlimmer ist aber der Bannstrahl, der jetzt sogar die Winnetoubücher und Filme trifft. Der öffentlich-rechtliche deutsche Sender "ARD" will keine Winnetou-Filme mehr zeigen. Und der Ravensburgverlag nimmt Winnetou-Bücher aus dem Verkaufsprogramm. Dies, weil in diesen Büchern und Filme das Wort "Indianer" verwendet wird und weil die Bücher von Karl May angeblich rassistisch seien.

Zugegeben: Karl May hat Bücher über Indianer geschrieben, als er selber noch nicht in Amerika war. Aber Tatsache ist auch, dass eben dieser Karl May den amerikanischen Ureinwohnern ein gutes Image und menschliche Ebenbürtigkeit zugeschrieben hat, als die Indianer in Nordamerika effektiv noch verfolgt wurden. Eigentlich ist also Karl May ein Vorbild für Völkerverständigung, wenn auch mit einem Weltbild des 19. Jahrhunderts. Aber für solche Feinheiten interessieren sich die selbsternannten Sittenwächter nicht.

Also, ich komme noch mal zur Ausgangsfrage zurück: Sind Sie wirklich sicher, dass Stucki Chrigu und die anderen Schwinger auch in drei, sechs und neun Jahren wieder zu einem Eidgenössischen Schwingfest antreten dürfen? Ich nicht!

Autor: Samuel Krähenbühl